Groß sein klingt toll, ist es aber nicht immer

Groß zu sein hat ohne Zweifel seine Vorteile. Ich sehe bei Konzerten problemlos die Bühne, während andere nur in den Rücken des Vordermanns starren. Im Supermarkt greife ich mühelos ins oberste Regal und auch zuhause brauche ich selten eine Leiter. Klingt praktisch, oder? Doch so schön es sich anhört, es gibt eine Schattenseite, die mich fast täglich begleitet: Tische und Stühle sind für mich schlicht und einfach zu niedrig.

Die Sitzhölle im Alltag

Egal ob im Café, im Büro oder sogar zuhause, sobald ich mich hinsetze, beginnt das Drama. Meine Knie stoßen an die Tischkante, mein Rücken krümmt sich nach vorne, und ich habe das Gefühl, wie ein zusammengefalteter Flamingo in einer viel zu kleinen Welt zu hocken. Während andere entspannt sitzen, ragen meine Beine unbeholfen hervor und ich komme mir vor, als würde ich nicht richtig dazugehören.

Warum ist alles immer zu niedrig?

Ich habe lange darüber nachgedacht, warum Möbel fast nie zu mir passen. Der Hauptgrund liegt wohl in den Standardmaßen: Ein Tisch ist meist zwischen 72 und 75 Zentimeter hoch, perfekt für Menschen um die 1,65 Meter, aber für mich ein Garant für Verspannungen. Dazu kommt, dass viele Designer offenbar nur an Optik denken. Möbel sollen modern, minimalistisch und instagramtauglich aussehen, ob lange Beine darunter Platz finden, spielt keine Rolle. Und am Ende akzeptieren wir großen Frauen viel zu oft: „Das passt schon.“ Doch mein Rücken meldet sich spätestens nach ein paar Stunden und schreit: „Nein, das passt eben nicht!“

Typische Situationen, die mich wahnsinnig machen

Im Café sieht es so aus, als würde ich mich elegant hinsetzen, tatsächlich kämpfe ich darum, meine Beine irgendwie unter den Tisch zu bekommen. Im Büro sitze ich stundenlang auf Stühlen, die einfach zu niedrig sind, und merke, wie ich immer tiefer zusammensinke. Selbst beim Essen zuhause fühle ich mich manchmal deplatziert, weil meine Füße weit unter dem Tisch hervorragen. Es sind Kleinigkeiten, ja, aber sie summieren sich, und machen auf Dauer ziemlich unzufrieden.

Meine Lösungen gegen das ständige Zusammenfalten

Irgendwann habe ich beschlossen, mich nicht länger kleinzumachen. Wenn Möbel nicht zu mir passen, passe ich sie eben an. Im Büro habe ich mir höhenverstellbare Stühle besorgt, zuhause helfen Sitzauflagen, die mir ein paar Zentimeter mehr geben. Meine Bildschirme stehen inzwischen auf erhöhten Ständern, damit ich nicht ständig wie eine Schildkröte über den Tisch gebeugt sitze. Und für die Zukunft liebäugele ich sogar mit maßgefertigten Möbeln, auch wenn sie teurer sind, wäre es eine Investition in echtes Wohlbefinden.

Eure Nehle aus dem LangeHosen.de Team

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