Große Frauen, Vergleich und der leise Wunsch nach Richtung
Mit dem März kommen Menschen wieder näher zusammen. Nach Monaten des Rückzugs verlagert sich das Leben nach draußen, Gespräche werden häufiger, Begegnungen intensiver. Man sieht sich wieder im Gehen, im Stehen, im Miteinander. Und mit dieser neuen Nähe kommt fast automatisch auch der Vergleich. Körper werden bewusster wahrgenommen, Lebensentwürfe sichtbarer, Wege nebeneinander gelegt, manchmal ganz unauffällig, manchmal schmerzhaft deutlich.
Als große Frau bin ich mir meiner Wirkung oft bewusst, bevor ich mir meiner eigenen Richtung sicher bin. Meine Körpergröße erzeugt Präsenz, noch bevor ich etwas gesagt habe. Ich werde wahrgenommen als klar, als stark, als jemand, der weiß, wohin sie geht. Dabei fühlt sich mein Inneres im März oft ganz anders an. Suchend. Offen. Noch nicht entschieden.
Diese Diskrepanz zwischen äußerer Erscheinung und innerem Zustand begleitet viele große Frauen. Die Welt liest Entschlossenheit, wo eigentlich Bewegung ist. Sie sieht Klarheit, wo gerade Fragen entstehen. Der März macht diesen Widerspruch besonders spürbar, weil alles gleichzeitig nach vorne drängt und doch noch unfertig ist.
Vergleich verliert an Gewicht
Mit der Zeit lerne ich, Vergleiche nicht mehr als Maßstab zu nehmen. Nicht die Geschwindigkeit anderer, nicht ihre scheinbare Sicherheit, nicht ihre fertigen Antworten. Mein Weg darf länger sein. Er darf Umwege machen. Er darf unklar bleiben, ohne weniger wert zu sein.
Groß zu sein bedeutet nicht, schneller anzukommen. Es bedeutet, Raum zu haben. Raum für Zwischentöne, für Zweifel, für Richtungen, die sich erst unterwegs zeigen. Meine Größe verpflichtet mich nicht zur Gewissheit.
Aufbruch ohne Beweis
Ich muss niemandem zeigen, dass ich angekommen bin. Der März darf ein Monat des Suchens bleiben. Ein Monat, in dem Bewegung wichtiger ist als Ziel. In dem ich mich neu verorte, ohne mich festzulegen. Groß. Offen. Unfertig. Und genau darin richtig.
Euer Team von LangeHosen.de
