Ab zwei Metern Körpergröße betrittst du eine neue Dimension.
Du bist nicht nur „der Große“ Mann, du bist eine Sehenswürdigkeit auf Beinen.
Die Menschen sehen dich nicht einfach – sie bemerken dich.
Immer. Überall.
Egal, ob du einkaufen gehst, einen Kaffee trinkst oder einfach nur durch die Stadt läufst.
Und genau das ist das Spannende:
Als ein Mann, über zwei Meter groß zu sein, bedeutet nicht nur, dass man länger ist als andere.
Es bedeutet, dass deine Größe ständig Thema ist, sogar dann, wenn du selbst gar nicht darüber reden möchtest.
Der menschliche Smalltalk-Magnet
Es gibt diese drei Fragen, die ich mein Leben lang gehört habe – immer wieder, von Fremden, Kollegen, sogar im Aufzug:
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„Wow, wie groß bist du eigentlich?“
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„Spielst du Basketball?“
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„Wie ist die Luft da oben?“
Die erste Frage beantworte ich mittlerweile auf Autopilot.
Die zweite nervt mich manchmal, besonders wenn ich Sport eher so lala finde.
Und bei der dritten antworte ich inzwischen ironisch:
„Super! Nur ein bisschen windig heute.“
Was mich daran stört, ist nicht der Humor der Leute – der ist oft lieb gemeint.
Es ist das Gefühl, immer auf meine Größe reduziert zu werden, als ob mein Charakter, mein Job oder meine Träume nur Nebensache wären.
Wenn Größe zum Druck wird
Groß zu sein bringt Erwartungen mit sich.
Ob du willst oder nicht, andere Menschen projizieren Dinge auf dich:
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Du sollst stark wirken, auch wenn du dich selbst mal schwach fühlst.
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Du sollst selbstbewusst auftreten, weil „groß = mächtig“.
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Und wehe, du bist schüchtern – dann bist du der „komische Riese“.
Manchmal fühle ich mich wie ein männlicher Schauspieler, der in einer Rolle steckt, die er sich nie ausgesucht hat.
Ich bin nicht immer der Beschützer, der Fels in der Brandung.
Manchmal bin ich einfach nur ich – ein Mensch, der genauso verletzlich ist wie jeder andere.
Nur eben mit längeren Armen.
Beziehungen: Zwischen Bewunderung und Überforderung
In Beziehungen ist meine Größe oft ein zweischneidiges Schwert.
Manche Partnerinnen finden es toll, dass ich groß bin – es wirkt stark, beschützend, imposant, wie der Fels in der Brandung.
Andere fühlen sich neben mir einfach winzig und damit unwohl.
Beim Tanzen? Sie steht auf meinen Füßen, weil sie meinen Schritt nicht mithalten kann.
Beim Selfie? Ich muss halb in die Knie gehen, während sie auf Zehenspitzen balanciert.
Und dann sind da die Kommentare von außen:
„Oh, ihr seht aus wie Beauty and the Beast!“
Danke… aber das wollte ich eigentlich nicht hören.
Selbstwahrnehmung: Die Perspektive eines Riesen
Als Mann über zwei Meter nimmst du die Welt wortwörtlich aus einer anderen Perspektive wahr.
Ich sehe Dinge, die andere nicht sehen –
von der Staubschicht auf dem obersten Regal im Supermarkt
bis hin zum Haarschopf meines Chefs im Großraumbüro.
Aber diese Perspektive kann auch isolierend wirken.
Wenn du ständig über alle Köpfe hinausragst, fühlst du dich manchmal außerhalb der Gruppe, selbst wenn du mitten drinstehst.
Es ist ein bisschen so, als würdest du immer auf einer Bühne stehen – und das Publikum starrt dich an.
Mode und Stil: Mehr als nur Stoff und Zentimeter
Klar, Kleidung in meiner Größe und meiner Länge ist schwer zu finden.
Aber das größere Problem ist: Stil.
Viele Marken gehen davon aus, dass Männer meiner Größe nur Basics tragen wollen:
einfarbige T-Shirts, langweilige Jeans, alles funktional, nichts modisch.
Ich will mich aber nicht nur „bedecken“.
Ich will zeigen, wer ich bin –
mit Kleidung, die meine Persönlichkeit ausdrückt, nicht nur meine Größe kaschiert.
Das ist ein Statement, das ich mir erkämpfen musste.
Denn wenn du über zwei Meter bist, wird Mode plötzlich zur Selbstbehauptung.
Der emotionale Preis der Größe
Es gibt Momente, da liebe ich meine Größe:
Wenn ich in der Menge den Überblick behalte,
wenn ich Freunden das oberste Regal erreichen kann,
oder wenn mich jemand einfach nur bewundernd anschaut.
Aber es gibt auch Momente, in denen ich mir wünsche, einfach „normal“ zu sein.
Nicht derjenige, der immer auffällt,
nicht der, der ständig Fragen beantworten muss.
Einfach nur ein Gesicht in der Menge.
Diese Ambivalenz ist schwer zu erklären.
Ich bin stolz auf meine Größe –
aber ich bin mehr als diese 203 Zentimeter.
Größe ist Geschenk und Herausforderung zugleich
Über zwei Meter groß zu sein, ist ein ständiger Balanceakt zwischen Stärke und Verletzlichkeit,
zwischen Sichtbarkeit und dem Wunsch nach Unsichtbarkeit.
Die Welt wird sich für mich nie ändern –
die Türen bleiben niedrig, die Kommentare bleiben gleich.
Aber ich kann entscheiden, wie ich meine Größe lebe.
Nicht als Stempel, nicht als Bürde –
sondern als Teil von mir, der zwar auffällt,
aber nicht alles definiert, was ich bin.
Und vielleicht, nur vielleicht,
werde ich eines Tages nicht nur „der große Typ“ sein –
sondern einfach ich.
