Über große Frauen und Erwartungen, die nie ausgesprochen werden
Weiblichkeit hat noch immer ein bestimmtes Bild. Sie sollen leise sein, weich, möglichst wenig Raum einnehmen. Zart wirken, nicht dominieren, sich anpassen. Als große Frau stehe ich diesem Bild oft gegenüber, ohne etwas dafür zu tun. Meine Körpergröße widerspricht ihm allein durch ihre Existenz.
Über 1,80 groß zu sein heißt nicht automatisch, auffällig sein zu wollen. Und doch werde ich oft so gelesen. Meine Präsenz wird als Selbstbewusstsein interpretiert, meine Haltung als Stärke, mein Körper als Aussage. Dabei habe ich mich nie entschieden, ein Statement zu sein. Ich bin einfach gewachsen.
Erwartungen ohne Einladung
Es gibt diese unausgesprochenen Regeln, die viele große Frauen kennen. Sei selbstbewusst, aber bitte nicht einschüchternd. Sei stark, aber nicht dominant. Sei weiblich, aber nicht zu präsentieren. Diese Erwartungen werden selten formuliert, aber sie liegen im Raum, in Blicken, Kommentaren, Vergleichen.
Besonders im Januar, wenn alles neu sortiert wird, spüre ich diesen Druck. Wenn Menschen Vorsätze fassen, Körper bewerten, Rollen hinterfragen, lande ich oft wieder bei der Frage: Bin ich zu viel? Nehme ich zu viel Raum ein? Wirke ich zu stark?
Die lange Geschichte des Sich-Zurücknehmens
Ich habe lange versucht, weniger zu sein. Weniger sichtbar. Weniger aufrecht. Weniger präsent. Nicht, weil ich mich nicht mochte, sondern weil ich dazugehören wollte. Weil es einfacher schien, sich ein wenig zu verkleinern, als ständig erklärt zu werden.
Heute weiß ich: Das war keine Bescheidenheit. Das war Anpassung.
Groß zu sein nimmt mir nichts von meiner Weiblichkeit. Es verändert nur ihre Form. Weiblichkeit ist kein Maßband, kein Ideal, kein Vergleich. Sie ist Haltung. Und Haltung braucht Raum.
Ein Januar für neue Bilder
Vielleicht ist dieser Januar der Moment, in dem ich mir erlaube, mein eigenes Bild zu sein. Nicht als Gegenentwurf, nicht als Provokation, sondern als Möglichkeit. Brutto. Weiblich. Sichtbar. Und weich.
Euer Team von LangeHosen.de
