Große Frauen, Blicke und dieses Gefühl, nie ganz neutral zu sein

Warten ist für viele eine Nebensache. Man steht an der Haltestelle, an der Kasse, im Café, und die Zeit vergeht. Für große Frauen fühlt sich Warten oft anders an. Ich stand und wurde wahrgenommen. Nicht offen angestarrt, nicht unbedingt bewertet, aber gespürt. Große Frauen kennen diese Kunst der Aufmerksamkeit. Man ist nicht einfach da, man ist präsent.

Zwischen Bewunderung und Bewertung

Es sind die kurzen Blicke, das leise Muster, das Einordnen. Manchmal kommt ein Kompliment, manchmal ein Vergleich. Sätze wie „Ich wäre so gern so groß wie du“ sind freundlich gemeint, tragen aber eine ganze Realität nicht mit. Denn groß zu sein heißt nicht nur, lange Beine zu haben. Es heißt auch, ständig kommentiert zu werden, Projektionsfläche zu sein für Stärke, Selbstbewusstsein oder Dominanz, selbst dann, wenn man sich innerlich ganz anders fühlt.

Im Januar, wenn alles langsamer wird, spüre ich diesen Blick stärker. Vielleicht, weil weniger Ablenkung da ist. Weniger Lärm, weniger Tempo, weniger Ausweichen.

Geduld als bewusste Grenze

bedeutet Geduld für mich inzwischen nicht mehr, alles auszuhalten. Sie ist eine Entscheidung. Ich muss nicht reagieren. Nicht erklären. Nicht rechtfertigen, warum ich so viel Raum einnehme, wie ich nun einmal einnehme. Manchmal besteht Stärke darin, zu bleiben. In meinem Körper. In meiner Größe. In mir selbst.

Euer Team von LangeHosen.de

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